FREIWILLIGES JAHR KULTUR 2018/19

Auch unser Zweiter im Freiwilligen im Sozialen Jahr - Kultur bei Vincentino, Alban Qenaj, ist für uns eine Erfolgsgeschichte: Alban machte Riesenschritte und aus dem schüchternen Förderschüler wurde ein selbstbewusster junger Mann, der jetzt eine Ausbildung bei der Bio-Company macht. 

Alban hat wie sein Vorgänger Ahmad Kanaan zuvor über mehrere Jahre an Medienwerkstattprojekten teilgenommen. Alban wirkte während seines FSJ auch als Dozent in der Medienwerkstatt mit, was ihm besonders am Albrecht-Dürer-Gymnasium Spaß gemacht hat. Auf seinen Wunsch hin wurde er auch in die organisatorische Arbeit bei Vincentino einbezogen. 

Wir konnten ihm zwei Wünsche erfüllen, die er zu Beginn seines FSJ benannte: In Europa reisen und Englisch lernen. Bisher kannte er nur Deutschland, sein Geburtsland, und das seiner Eltern, Albanien. Durch eine Kooperation mit dem Verein Mensch Raum Land e.V. konnte Alban gemeinsam mit Schüler*innen aus unsere Medienprojekt am Campus Efeuweg als Betreuer am deutsch-französisch-kroatischen Jugendaustausch zum Thema „Robotik“ teilnehmen. So war er jeweils eine Woche in den drei Ländern unterwegs und konnte sein Englisch in der Praxis verbessern. Auch mithilfe seiner Muttersprache (albanisch) konnte er zwischen den Teilnehmer*innen übersetzen. Alban gewann auf diesen Reisen und bei den Bildungsseminaren im Rahmen des FSJ enorm an Wissen, Selbstbewusstsein und viele Freundschaften, die er pflegt. Der Verein Mensch Raum Land e.V. lud ihn als Betreuer auch zu weiteren Jugendfreizeiten ein.

Zudem stellte er sich allen Herausforderungen, indem er Kurse wählte, die ihm bisher schwerfielen, z.B. eine Schreibwerkstatt oder einen Nähkurs. Auch in diesem Jahrgang war Alban der einzige im FSJ, der aus einem Förderzentrum kam. Er erfuhr im FSJ bei seinen Kolleg*innen große Beliebtheit. Das gab ihm auch Kraft, sich im Jobcenter zu positionieren, wenn er aufgrund seiner bisherigen Schulbildung als nicht ausbildungsfähig beurteilt wurde. Ulla Giesler, Frauke Prasser und Matthias Schellenberger unterstützten in aktiv bei seinen Überlegungen zur Ausbildung, ermutigten ihn bei Vorstellungsgesprächen und bei schriftlichen Bewerbungen.

Weiterhin begleitet er in seiner Freizeit Schüler*innen in einer Fußball AG und Jugendliche bei Austauschprogrammen. Super! Wir wünschen ihm wie seinem Vorgänger Ahmad Kanaan bei allen neuen Schritten viel Erfolg und freuen uns, wenn uns beide als "Alumni" erhalten bleiben und weiterhin an Aktionen von Vincentino teilnehmen. So begleitete Alban die Wanderausstellung von Adolf Reichwein an einem weiteren Ausstellungsort in der Republik und unterstütze Matthias Schellenberger beim Transport wie Ab- und Aufbau. Die Bio-Campany stellte ihn dafür einen Tag frei. Dafür danken wir herzlich. Albans positive Art vermissen wir. Das FSJ hat sich für Vincentino in vielfacher Hinsicht gelohnt.

 

 

LUISE MEETS ALBAN (4.11.19)

Luise Belter, als Freiwillige im Sozialen Jahr Kultur bei Vincentino e.V. im Schuljahr 2019/20 interviewt Alban Qenaj, ihren Vorgänger:

Ich bin Luise und mache für ein Jahr lang ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur (FSJK) bei dem Verein Vincentino e.V. Genauso wie meine zwei Vorgänger helfe ich größtenteils bei Medienprojekten mit. Diese sollen Kinder und Jugendliche ermutigen und die Möglichkeit bieten, sich mit dem Thema Medien aus einer anderen Perspektive auseinanderzusetzen, als sie es vielleicht gewöhnt sind. Im Moment bauen wir mit Schüler*innen Gitarren aus Holz, um dann zu testen, wie diese klingen. Die Schüler*innen können Stop-Motion-Filme aufnehmen oder verschiedene Tutorials drehen. Auch Alban, mein Vorgänger im FSJ, war bei solchen Projekten dabei. Schon früher, als er noch zur Schule ging. Dadurch ist er nämlich erst darauf gekommen, bei Vincentino ein FSJ Kultur zu machen.

Und genau darüber, wie er zu Vincentino e.V. gekommen ist, und auch welche Erfahrungen er in diesem Jahr gesammelt hat und wie er sich dadurch verändert hat, haben wir ein bisschen geredet: 

Alban war selber auf einer Förderschule, der Adolf-Reichwein-Schule, in der MASCH, der die Medienwerkstatt von Vincentino leitet, schon seit vielen Jahren künstlerische Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen macht. Dort nahm Alban über Jahre an der Video AG teil und er hat sich in vielen Projekten sehr engagiert. Er hat beispielsweise geholfen, die Ausstellung über Adolf Reichwein zu bauen. Außerdem machten sie im Zusammenhang mit dieser Ausstellung viele Reisen gemeinsam, wodurch ein enger Kontakt entstand.

„Ich war bis zur 10. Klasse auf der Schule und bin dann für zwei Jahre auf ein OSZ gegangen, um einen besseren Schulabschluss zu bekommen.“ Dann, quasi kurz vor dem Beginn des FSJs absolvierte Alban ein sechswöchiges Praktikum bei MASCH, wodurch er auch Ulla kennen lernte. In dieser Zeit ging dann auch alles sehr schnell. MASCH erzählte Ulla, dass Alban Interesse an einem FSJ bei dem Verein hätte, kurz darauf schrieb Alban die Bewerbung und meldete sich bei der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LJK), die Träger des FSJ Kultur in Berlin und Brandenburg ist, an. 

Nicht nur sein Interesse an den Medienprojekten brachte Alban dazu, ein FSJ zu machen. Sein Vorgänger, der mit ihm auf der gleichen Schule war, erzählte ihm auch von den Seminarfahrten der LKJ, von denen die beiden sehr geschwärmt haben. Ich selber habe gerade meine erste Seminarfahrt hinter mir und kann nur bestätigen, dass dies sehr tolle und prägende Erfahrungen sind. Auf diesen Fahrten wählt man ein Seminar, es gibt ganz unterschiedliche. Alban hat einen Nähkurs, eine Schreibwerkstatt und eine Graffitikurs belegt. Ich habe den Kurs „Selbstvorsorge“ mit Yoga und Meditation gemacht. Durch die gewählten Seminare lernt man mehr über seine Interessen und wird in sich selbst gestärkt. Das bestätigt auch Alban. Durch die neuen Freunde und dem Umgang dort hat er sein Selbstbewusstsein stärken können. Auch jetzt verbringt er noch viel Zeit mit Freunden, die er dort kennenlernte.

Doch am meisten hat ihn die Zeit bei Vincentino geprägt. Als ich ihn gefragt habe, welche Aufgaben er übernommen hat und was ihm besonders gut gefallen hat, ist auffallend oft das Wort „vielfältig" gefallen. Mit Vincentino war er in vielen Schulen und bei tollen Aktionen -  Kinderdemo am Kotti, Kids on Drums Auftritte in der Philharmonie und im FEZ - unterwegs und hat bei vielen unterschiedlichen Projekten mitgeholfen. Am Campus Efeuweg gab es eine Medien- und ein Robotik-AG, und auch mit älteren Schüler*innen – Gymnasiat*innen - haben sie gearbeitet, z.B. an der Albrecht-Dürer-Oberschule, an der Vincentino schon seit Jahren die BLOG-Projekte macht.

Das ist aber nicht alles, was man unter dem Begriff „vielfältig" in Bezug auf die Arbeit bei Vincentino verstehen kann. Alban hat viel praktisch gearbeitet, hat viel handwerklich gemacht. Alban hat aber auch die Möglichkeit bekommen, sehr oft zu reisen, was einer seiner größten Wünsche war: „In die Welt rausgehen und neue Leute kennenlernen“. Im Dezember bekam er dann auch die Möglichkeit, mit einer Gruppe der Robotik-AG von Vincentino am Campus Efeuweg bei einem trinationalem Projekt dabei zu sein, ein Jugendaustausch zwischen drei Ländern: Deutschland, Frankreich und Kroatien. Er war also als Teamer mit dabei und neben Weimar, konnte er auch Frankreich und Kroatien bereisen. Dort konnte er sogar ein eigenes Projekt übernehmen. Dies war für ihn allerdings auch sehr herausfordernd, da er viel Verantwortung übernehmen musste. Es bietete ihm eine neue Chance, aus sich heraus zu kommen und Selbstbewusstsein aufzubauen, da er nicht nur als ehemaliger Förderschüler, sondern auch als Teamer anerkannt wurde, was etwas ganz Neues für ihn war. Er hat dadurch gelernt, dass auch er Selbstbwusstsein haben kann.

Diese Reisen haben Alban also auch sehr geprägt, sodass er diese sogar für sein eigenständiges Projekt, welches man bei der LKJ einreichen muss, genutzt hat. Dafür hat er einen Film produziert, wo er sich mit der Frage beschäftigt hat, was alles zur Planung und zur Ausführung eines so komplexen Projektes dazugehört.

Es ist erstaunlich, inwiefern sich Alban in diesem Jahr verändert hat, dadurch, dass er selbstständig sein und sich überwinden musste. Zu erst war sehr sehr zurückhaltend, hat sich nie getraut, einen Satz zu sagen und kommunizierte ganz anders. Auch seine Aussprache hat sich sehr verbessert. Auch dadurch, dass er sich trauen musste, eigene Gruppen zu übernehmen, selbstständig Leute anzuschreiben und generell viel selbstständiger sein musste, blieb ihm quasi nichts anderes übrig als über seinen Schatten zu springen. „Umso mehr man macht, umso selbstbewusster wird man“, meinte Alban in unserem Gespräch.

 Was ich aber besonders faszinierend finde, ist, dass Alban meinte, dass er nun seine Ziele viel höher setzt als davor. Vor dem FSJ wusste er noch nicht, was er danach machen will. Jetzt macht er eine Ausbildung im Einzelhandel bei der Bio-Company. Auch dabei hat ihn sein Vorgänger überzeugt, da er auch diese Ausbildung macht. Das FSJ hat ihm die Motivation und das Selbstvertrauen gegeben, das zu schaffen, da man bei der Ausbildung viel Fachwissen lernt und einen ruhigen Kopf braucht, um die komplexen Themen zu verstehen. Im Moment ist er noch in der Einarbeitung. Das heißt, er muss alle Regale kennenlernen und sich ein gewisses Fachwissen über jede Abteilung aneignen. Er arbeitet aber auch im Büro, muss Lieferscheine bearbeiten und Produkte bestellen. 

Auch MASCH, Ulla und Frauke haben ihm bei den Bewerbungen und den Entscheidungen sehr unterstützt. In diesem Jahr waren MASCH und Alban nicht nur Arbeitskollegen, sondern wurden auch zu guten Freunden, die sowohl in guten wie auch schlechten Zeiten füreinander da sind. 

Albans Ziele sind nun viel höher gesetzt. Nun plant er nach der Ausbildung noch einen besseren Abschluss zu machen, um danach vielleicht zu studieren, das wird erst in ein paar Jahren sein. „Vielleicht Medienpädagogik oder Sport auf Lehramt. Jedenfalls irgendwas mit Menschen“, erzählt Alban.

Vor dem FSJ hätte Alban nie gedacht, dass ihn diese Zeit bei Vincentino so prägen könnte. „Hätte man mir das früher gesagt, hätte ich das nicht gedacht. Das FSJ war für mich wie 10 Jahre Schule.“

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass dieses Jahr Alban zwar auch vor große Herausforderungen gestellt hat, bei denen er sich überwinden musste. Dadurch ist er aber zu dem selbstbewussten Menschen, der seine Ziele durchaus hoch setzen kann, geworden. Und hat sich „völlig verändert", ins Positive.

 

Luise Belter, 4.11.2019